Indikatoren für Energiewende-Index

Wasserstoff: Abb. 3 Wirtschaftlichkeit, Wertung H1 2020 und H2 2020

Abb. 3 Wirtschaftlichkeit, Wertung H1 2020 und H2 2020 (Quelle: E-Control; Eurostat; BMWi; IRENA; Statistisches Bundesamt (Destatis))

Wasserstoff: Abb. 4 Versorgungssicherheit, Wertung H1 2020 und H2 2020

Abb. 4 Versorgungssicherheit, Wertung H1 2020 und H2 2020 (Quelle: Bundesnetzagentur; Bericht der deutschen Übertragungsnetzbetreiber zur Leistungsbilanz; ENTSO-E; Enerdata)

Die Gesamtenergiekosten Haushalte sanken 2020 infolge des niedrigen Ölpreises und machen nur noch einen Anteil von 9,6 % am Gesamtwarenkorb der Verbraucher aus. Die Zielerreichung des Indikators steigt von 99 % auf 110 % (Abb. 3).

Auch der Indikator Ausfall Stromversorgung hat sich leicht von 13,9 auf 12,2 Minuten pro Jahr verbessert, seine Zielerreichung beträgt aktuell 113 % (Abb. 4).

Für den Indikator Verfügbare Kapazität für Import aus Nachbarländern liegen keine neuen Daten vor, daher bleibt er mit der bisherigen Zielerreichung von 203 % im realistischen Bereich. Der Beinahe-Blackout des europäischen Netzes durch die automatische Abschaltung eines kroatischen Umspannwerks zu Beginn des Jahres 2021 zeigt allerdings, dass es nicht nur auf die Erzeugungskapazität im Netz ankommt, sondern auch darauf, dass das Stromnetz ausreichend widerstandsfähig ist gegen unvorhersehbare Ereignisse.

Sechs Indikatoren realistisch, aber auf der Kippe

Der CO2e-Ausstoß ist 2020 nach ersten Schätzungen stark zurückgegangen – von 805 Mt in 2019 auf 722 Mt. Damit wurde das 2020er-Ziel von 750 Mt CO2e infolge deutlich geringerer Emissionen während der Corona-Lockdowns mit 111 % sogar übererfüllt. Trotz der aktuell realistischen Zielerreichung steht der Indikator auf der Kippe: Denn im Zuge der erwarteten wirtschaftlichen Erholung wird der CO2e -Ausstoß aller Voraussicht nach auf sein Vorkrisenniveau zurückkehren und somit wieder deutlich unter seinen aktuellen Zielerreichungsgrad fallen.

Auch der Primärenergieverbrauch ist während der Corona-Krise von 12.800 auf 11.691 PJ gesunken und verbessert damit seine Zielerreichung sprunghaft von 60 % auf 93 %. Der deutlich geringere Energieverbrauch lässt sich vor allem auf die geringere wirtschaftliche Aktivität im Zuge der Pandemiebekämpfung zurückführen.

Der Indikator Sektorkopplung: Wärme kommt mit einem EE-Anteil von 15 % zwar auf eine Zielerreichung von 163 %, allerdings ist er in den vergangenen zwei Jahren lediglich um 0,6 Prozentpunkte gestiegen. Um die Zielmarke von 27 % bis 2030 zu erreichen, wären Steigerungsraten von mindestens einem Prozentpunkt pro Jahr notwendig.

Die Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien sind nach den neu verfügbaren Daten leicht von 312.000 auf 309.000 gesunken. Die Zielerreichung liegt somit bei 96 %. Da die Daten immer eine gewisse Nachlaufzeit haben, bleibt allerdings abzuwarten, wie stark die Beschäftigungslage durch die COVID-19-Pandemie und die aktuellen wirtschaftlichen Schieflagen von EE-Unternehmen beeinflusst wird.

Für den EE-Anteil am Bruttoendenergieverbrauch liegen noch keine neuen Daten vor. Daher verharrt der Indikator in seiner Zielerreichung weiterhin bei 95 %.

Ebenfalls unverändert bleibt der Indikatorwert für die gesicherte Reservemarge mit einer Zielerreichung von 109 %. Mit Blick auf den laufenden Ausstieg aus Kernenergie und Kohleverstromung ist allerdings davon auszugehen, dass sich dieser Wert bald verschlechtern wird.

Zielerreichung für vier Indikatoren unrealistisch

Beim Indikator Sektorkopplung: Verkehr zeigen staatliche Zuschüsse für Elektrofahrzeuge und eine breitere Modellpalette erste Wirkung: Seit Beginn der Index-Erhebung ist der Fahrzeugbestand um 246.968 auf 416.757 gestiegen. Um jedoch auf dem Zielpfad zu bleiben, hätten 890.897 Elektrofahrzeuge neu zugelassen werden müssen. Die aktuelle Zielerreichung beträgt daher nur 28 %.

Die Kosten für Netzeingriffe stiegen 2020 wieder leicht von 6,4 auf 7,8 € pro MWh. Die Zielerreichung verschlechtert sich damit von 61 % auf 52 %.

Der Indikator Ausbau Transportnetze bleibt nahezu unverändert bei 36 % Zielerreichung. 3.657 km hätten bis Mitte 2020 fertiggestellt sein müssen, um auf dem Zielpfad zu bleiben – realisiert wurden gerade einmal 1.505 km.

Ebenfalls unrealistisch bleibt das Ziel für den deutschen Haushaltsstrompreis, der noch immer 53 % über dem europäischen Durchschnitt liegt. Der Indikator verharrt damit in seiner Zielerreichung bei 0 %.

Ein Indikator ohne Kategoriezuordnung

Laut Eurostat liegt der Industriestrompreis aktuell 35,5 % über dem europäischen Durchschnitt (Vorjahr: 1,1 %) und damit deutlich über dem Zielwert von 8,5 %. Die Ursachen für den drastischen Preisanstieg sind trotz intensiver Nachforschung bislang nicht eindeutig auszumachen. Zum einen gibt es Anzeichen, dass Änderungen in Abnahmeverhalten und Netznutzung im Coronajahr 2020 dafür verantwortlich sind. Zum anderen kam es allerdings auch zu einer Änderung der Erhebungsmethodik, die ebenfalls den Anstieg begründen könnte. Selbst nach Rücksprache mit BDEW und Statistischem Bundesamt, die für die Datenerhebung zuständig sind, ließ sich die Veränderung nicht vollständig nachvollziehen. Daher erfolgt für den Indikator keine Angabe zur Zielerreichung, bis weitere Daten zur Validierung vorliegen.

Feedback erwünscht

Der Energiewende-Index bietet alle sechs Monate einen Überblick über den Status der Energiewende in Deutschland. Reaktionen und Rückmeldungen seitens der Leser sind ausdrücklich erwünscht und werden bei der Aktualisierung des Index berücksichtigt, sofern es sich um öffentlich zugängliche Daten und Fakten handelt. Auf der Website von McKinsey besteht die Möglichkeit, den Autoren Feedback zum Thema Energiewende zu geben.

Dr. T. Vahlenkamp (thomas_vahlenkamp@mckinsey.com), Senior Partner, McKinsey & Company, Düsseldorf; Dr. I. Ritzenhofen, Partner, McKinsey & Company, Köln; Markus Wilthaner, Partner, McKinsey & Company, Wien; Dr. F. Pflugmann, Senior Associate, McKinsey & Company, Frankfurt; F. Stockhausen, Senior Solution Analyst, McKinsey & Company, Düsseldorf; M. Wirths, Researcher, McKinsey & Company, Düsseldorf

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