Internationale Arbeitsteilung beim Wasserstoff

Klimapolitik: Prof. Dr. Wolfgang Löwer, bis zum Eintritt in den Ruhestand Rheinische Friedrichs-Wilhelms-Universität Bonn; Institut für Öffentliches Recht – Abt. Wissenschaftsrecht; Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, Düsseldorf

Prof. Dr. Wolfgang Löwer
(Bildquelle: AWK NRW / Andreas Endermann)

„Ungleiches darf bekanntlich ungleich geregelt werden. Zwischen der Braunkohleverstromung und der Steinkohleverstromung bestehen durchaus signifikante Unterschiede. […] Von daher sind differenzierende Lösungsansätze rechtfertigungsfähig. Ob die konkret gewählten zwei Ansätze – hier ein öffentlich-rechtlicher Vertrag mit pauschaler Summe für die Abgeltung der Eigentumsinteressen und der Vorfinanzierung zukünftiger Lasten aus der Schließung der Tagebaue, dort Ausschreibungsverfahren von Steinkohleerzeugungskapazitäten – den jeweiligen Problemstrukturen gerecht werden, steht auf einem anderen Blatt. Es muss jedenfalls auf beiden Spielfeldern ein äquivalenter Eigentumsschutz gewährleistet sein.“

Prof. Dr. Wolfgang Löwer, bis zum Eintritt in den Ruhestand Rheinische Friedrichs-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Öffentliches Recht – Abt. Wissenschaftsrecht; Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, Düsseldorf 

„et“: Mit Wasserstoff werden in Deutschland hohe Erwartungen verbunden – zu hohe? Und: Was halten Sie vom Autarkiegedanken dabei?

Fischedick: Die Diskussion um Wasserstoff hat zugegebenermaßen silver bullet-Charakter und eine derartige silver bullet gibt es natürlich nicht. Ich denke aber schon, dass wir eine Wasserstoffwirtschaft brauchen und auch bekommen werden. Das funktioniert allerdings nur, wenn wir unsere Hausaufgaben machen, also die Energieeffizienz verbessern, die Potenziale der Erneuerbaren ausschöpfen und eine leistungsstarke internationale Wasserstoffinfrastruktur auf- und sukzessive ausbauen. Gute Möglichkeiten und auch schon Ansätze sehe ich im energieintensiven Industriesektor, weil dort die Alternativen für einen nachhaltigen, klimaverträglichen Weg in die Zukunft zumeist fehlen – dies gilt z.B. für die Stahlindustrie, zumindest dann, wenn man nicht auf die CCS-Karte setzen möchte.“

Beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft wie auch insgesamt bin ich klar gegen einen Autarkieansatz und für eine internationale Arbeitsteilung. Dabei wird sich zwangsläufig die Frage stellen, wie wir eine sichere und hinreichend kostengünstige Versorgung gewährleisten können, wenn wir zentrale Industrien aufgrund unterschiedlich hoher globaler Strompreise dauerhaft in Europa halten möchten.

Edenhofer: Auch Wasserstoff setzt voraus, dass wir über große Mengen von Strom auf erneuerbarer Basis verfügen. In solch einer Welt werden Strompreisdifferenziale eine sehr wichtige Rolle spielen. Andererseits gibt es Regionen in der Welt, die erneuerbaren Strom unter viel günstigeren Bedingungen billiger erzeugen können. Wir sollten also auch beim Wasserstoffthema immer auf die internationale Arbeitsteilung setzen.

Löschel: Es gilt ja: Deutschland ist wie kaum ein anderes Land in die globalen Handelsströme eingebettet und profitiert als Volkswirtschaft insgesamt von den Weltmärkten. Deshalb ist auch der Import von grüner Energie, wenn Deutschland keinen komparativen Kostenvorteil hat, volkswirtschaftlich sinnvoll und leistet einen Beitrag zum Wohlstand. Nebenbei reduziert es auch die Ungleichgewichte der deutschen Außenhandelsbilanz. Hier kommt es darauf an, eine effiziente europäische bzw. internationale Wertschöpfungskette zu entwickeln. Dazu ist der Ausbau der Infrastruktur notwendig, es sollten aber auch industrielle Potenziale ins Auge gefasst werden, etwa Komponenten für die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen.

Moser: Ich glaube ebenfalls nicht daran, dass Deutschland bei erneuerbaren Energien autark sein kann und das gilt auch für die Nachbarstaaten. Das Potenzial an erneuerbaren Energien in Deutschland wird auf deutlich unter 1.000 TWh/a geschätzt, der Endenergieverbrauch liegt bei 2.500 TWh/a. Selbst bei optimistischen Effizienzgewinnen lässt sich wohl da schon technisch keine Autarkie erreichen. Deshalb müssen wir darüber nachdenken, wie wir den Import von erneuerbaren Energien bewerkstelligen können, sollten also neben der dezentralen Diskussion auch eine globale führen. Wir wissen, dass der interkontinentale Transport von Strom schwierig ist und eine Importstruktur auf Basis von Wasserstoff oder davon abgeleiteten Produkten die besseren Chancen hat.

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