Überblick der Indikatoren des Energiewende-Index in Deutschland
Von den 14 Kennzahlen im reformierten Energiewende-Index haben sich 12 gegenüber der letzten Erhebung im Herbst 2017 verändert – fünf davon in positive Richtung und sieben negativ. Insgesamt werden fünf Indikatoren in ihrer Zielerreichung als „realistisch“ eingestuft, für acht ist die Zielerreichung „unrealistisch“. Eine Kennzahl verbleibt in der Kategorie „leichter Anpassungsbedarf“.
Für zwei Indikatoren lagen zum Zeitpunkt der Indizierung noch keine neuen Daten vor: Die Zahl der Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien bleibt somit in ihrer Zielerreichung „realistisch“, für die Interkonnektorenkapazität gilt weiter „leichter Anpassungsbedarf“. Der Indikator Sektorkopplung, für den mangels Datengrundlage bislang kein konkretes Ziel formuliert ist, bleibt vorerst ohne Kategoriezuordnung.
Veränderung bei Indikatoren mit „realistischer“ Zielerreichung
- Stromerzeugung aus Erneuerbaren stabil über Plan: Mit einem aktuell geschätzten Anteil von 36,1 % am Bruttostromverbrauch haben die Erneuerbaren 2017 einen neuen Rekordwert erreicht. Der ursprüngliche Zielwert von 35 % im Jahr 2020 ist damit weiter klar übertroffen und der Indikator verbessert seine Zielerreichung auf 152 %.
- Mehr Arbeitsplätze in stromintensiven Industrien: Zwischen Dezember 2016 und Juni 2017 sind knapp 17.000 Stellen hinzugekommen. Die Zielerreichung verbessert sich von 119 % auf 124 % und übertrifft den Zielwert von 1,27 Mio. Beschäftigten – gemessen am Ausgangsjahr 2008 – weiterhin deutlich.
- Geringfügige Zunahme an Stromausfällen: Die durchschnittliche Ausfalldauer pro Kunde stieg minimal von 12,7 Minuten auf 12,8 Minuten, wodurch sich die Zielerreichung um einen Prozentpunkt auf 111 % verschlechtert. Dennoch zählt das deutsche Stromnetz nach wie vor zu den versorgungssichersten weltweit und belegt bei der Qualität der Stromversorgung im globalen Index Platz eins.
- Erneuter Anstieg der gesicherten Reservemarge: Die Zielerreichung für Kapazitätsreserven in deutschen Kraftwerken – gemessen an den Reservemargen der Bundesnetzagentur zum Zeitpunkt der Index-Erstellung – erhöht sich weiter von 323 % auf jetzt 331 %. Die Reservemarge stieg 2017 leicht von 4,2 % auf 4,3 %.
Veränderung bei Indikatoren mit „unrealistischer“ Zielerreichung
- CO2e-Ausstoß weit über dem Limit: Nach einer ersten Schätzung des Think Tanks Agora Energiewende betrugen die Emissionen zuletzt 906 Mt. Damit stagniert der Wert (der für das Vorjahr nachträglich von 916 auf 906 Mt angepasst worden war) seit 2014 auf unverändert hohem Niveau. Während 2017 der CO2e-Anteil des Stromsektors erneut leicht zurückging, stiegen die Emissionen in der Industrie sowie im Wärme- und Verkehrssektor. Ursprünglich wurde eine Reduktion von 40 % bis 2020 angestrebt, was einem CO2e-Ausstoß von 750 Mt pro Jahr entspricht. Um dieses Ziel noch zu erreichen, müssten die Emissionen während der kommenden drei Jahre noch um insgesamt rund 150 Mt reduziert werden. Zum Vergleich: In Summe entsprächen diese Einsparungen den gesamten CO2-Emissionen der Stromerzeugung aus Braunkohle im Jahr 2017, nämlich rund 150 Mt, oder des gesamten Verkehrssektors mit rund 166 Mt in 2016. Die Zielerreichung des Indikators liegt jetzt bei 45 % und bleibt somit weiterhin „unrealistisch“.
- Primärenergieverbrauch leicht erhöht: Der temperaturbereinigte Primärenergieverbrauch lag 2016 bei 13,471 PJ. Dies stellt einen Anstieg um 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr dar. Da der Zielwert für 2016 bei nur 12,408 PJ lag, fällt die Zielerreichung auf nunmehr 44 %. Für das Jahr 2017 ist, analog zu Stromverbrauch und CO2e-Ausstoß, ein weiterer leichter Anstieg zu erwarten.
- Stromverbrauch erneut gestiegen: Der Stromverbrauch in Deutschland ist 2017 von 593 auf 600 TWh gestiegen. Haupttreiber sind neben Witterungseinflüssen das Wirtschaftsund Bevölkerungswachstum. Der aktuelle, von der AG Energiebilanzen geschätzte Wert überschreitet die derzeitige Zielmarke von 569 TWh erheblich und lässt das 2020er-Ziel von 553 TWh in immer weitere Ferne rücken. Der Indikator verschlechtert sich auf eine Zielerreichung von nur noch 32 %.
- Explodierende Kosten für Netzeingriffe: Die Netzeingriffskosten, zu denen seit der letzten Index-Veröffentlichung auch Redispatch- Maßnahmen, Einspeisemanagement und die Vorhaltung von Reservekraftwerken gezählt werden, betrugen im ersten Quartal 2017 insgesamt 426,6 Mio. EUR – umgerechnet 13,11 € pro MWh erneuerbarer Erzeugung. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert um fast 80 %. Der überdurchschnittlich starke Anstieg erklärt sich allerdings auch saisonbedingt aus der traditionell hohen Einspeisung der Windanlagen in den ersten Monaten eines Jahres. Die Zielerreichung des Indikators sinkt damit auf nur noch 14 %.
- Ausbau der Transportnetze weiter verzögert: Im dritten Quartal 2017 waren nach den Ausbauplänen des EnLAG und des BBPlG insgesamt 879 km fertig gestellt – 63 km mehr gegenüber dem ersten Quartal. Für beide Vorhaben zusammen liegt der Zielwert 2020 bei 3.582 km. Da das Ausbautempo 2017 hinter dem Gesamtplan zurückbleibt, sinkt die Zielerreichung von 49 % auf 41 %.
- Leichte Entspannung bei Haushaltsstrompreisen: Die Stromkostenentwicklung für Haushalte hat sich im zweiten Halbjahr 2017 verbessert, aber nur relativ. Während die hiesigen Strompreise bei 30,8 ct/kWh auf hohem Niveau unverändert blieben, stiegen die Kosten in den europäischen Vergleichsländern um durchschnittlich 0,5 ct/kWh auf 21 ct/kWh. Der Strompreis in Deutschland liegt damit zwar noch immer 46,6 % über dem Durchschnitt, doch der Indikator verbessert seine Zielerreichung von knapp 4 % auf 17 %.
- Industriestrompreise leicht gestiegen: Während in Europa die Preise im ersten Halbjahr 2017 um 0,5 % sanken, stiegen sie in Deutschland um 0,7 % an. Das hiesige Preisniveau von 9,72 ct/kWh liegt nun 14,8 % über dem europäischen Durchschnitt. Der Indikator verschlechtert seine Zielerreichung von 42 % auf 26 %.
- EEG-Umlage sinkt leicht: Auf die Erhöhung im Jahr 2017 folgt nun eine Senkung um 1,3 % auf 6,79 ct/kWh für das Jahr 2018. Der Indikator bleibt damit in seiner Zielerreichung auf einem niedrigen Niveau von 6 %. Der Rückgang ist auf einen erwarteten Anstieg der Strombörsenpreise sowie eine positive Entwicklung des EEG-Kontos zurückzuführen. Mit einem signifikanten Rückgang der Umlage kann jedoch erst nach 2020 gerechnet werden.