
Abb. 2: Stromverbrauch der privaten Haushalte in TWh. (Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen)
Stromverbrauch der privaten Haushalte
In welchem Umfang sind die gestiegenen Strompreise eine Belastung für private Haushalte? Eine Antwort hängt auch davon ab, in welchem Umfang die privaten Haushalte Strom nutzen. Werfen wir also einen Blick auf die Entwicklung des Stromverbrauchs der privaten Haushalte. Nach den Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen ergibt sich das folgende Bild (Abb. 2). Nach einem Anstieg des Stromverbrauchs von 1990 (117 TWh) bis 2010 (142 TWh) um rund 21 % ging der Verbrauch bis 2020 wieder zurück (127 TWh). 2020 markiert eine Sonderentwicklung. Nach Ausbruch der Corona-Epidemie ist es im Zuge der damit verbundenen Schutzmaßnahmen, insbesondere des Apells der Bundesregierung, so weit wie möglich zuhause zu bleiben, zu einem Anstieg des Stromverbrauchs der privaten Haushalte gekommen (2021: 139 TWh). Mittlerweile hat sich die Situation stabilisiert und der Verbrauch liegt heute wieder in etwa auf dem Niveau des Jahres 2000 (133 TWh).
Insgesamt ergibt sich, dass der Stromverbrauch der privaten Haushalte eine relativ konstante Größe ist. Richtet man den Blick der Einfachheit halber einmal auf die letzten 20 Jahre, bietet sich als Orientierung ein Wert von 130 bis 140 TWh an. Diese langfristige Stabilität des Verbrauchs ist durchaus bemerkenswert, da gegenläufige Trends aufeinander wirken. Einerseits deutet eine steigende Anzahl der privaten Haushalte auf einen eher wachsenden Strombedarf hin. In die gleiche Richtung weisen die zunehmenden Möglichkeiten bzw. Notwendigkeiten, Strom zu nutzen (Perspektive einer „All-Electrical-World“). Andererseits gibt es Faktoren, die auf einen sinkenden Strombedarf hinweisen. Zu nennen sind hier vor allem die vielfältigen technologischen Effizienzgewinne moderner Elektrogeräte. Vermutlich haben aber auch die gestiegenen Strompreise zu einem sparsameren Umgang mit Strom beigetragen.
Ausgaben der privaten Haushalte für Strom
Verknüpft man die Daten des BDEW zur Entwicklung der Strompreise mit den Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen über den Energieverbrauch der privaten Haushalte, lassen sich rechnerisch die Ausgaben der privaten Haushalte für Strom ermitteln (Tab. 2). Die Daten zeigen, dass sich die monatlichen Ausgaben der Haushalte für Strom in Deutschland von 1990 bis 2000 kaum verändert haben. In dieser Periode lagen die Ausgaben für Strom pro Monat bei rund 40 €. Danach erfolgte ein deutlicher Anstieg. Für 2010 weist die Statistik einen Wert von 69 € aus (2000/2010: Zuwachs 61 %). Besonders hervorzuheben ist der Ausgabensprung im Zuge des Ukraine-Konflikts. Im Jahr 2022 wurde ein Spitzenbetrag von monatlich 126 € fällig. Danach haben sich die Verhältnisse wieder beruhigt. 2024 lagen die monatlichen Ausgaben der privaten Haushalte für Strom bei einem Wert von rund 109 €.
| 1990 | 2000 | 2010 | 2024 | |
| Zahl der Haushalte (Mio.) | 34,9 | 38,12 | 40,3 | 41,0 |
| Haushaltsgröße (Pers. pro Haushalt) | 2,27 | 2,14 | 2,00 | 2,04 |
| Stromverbrauch priv. Haushalte (TWh) | 117,2 | 130,5 | 141,7 | 133,0 |
| Stromverbrauch pro Haushalt (kWh) | 3.359 | 3.423 | 3.516 | 3.244 |
| Stromrpeis (ct/kWh) | 14,55 | 14,92 | 23,42 | 40,22 |
| Realer Strompreis (ct2020/kWh) | 23,70 | 19,77 | 26,58 | 33,71 |
| Monatliche Ausgaben für Strom (€) | 40,7 | 42,6 | 68,6 | 108,7 |
| Monatliche Ausgaben für Strom (€2020) | 66,3 | 56,4 | 77,9 | 91,1 |
Bei dieser Gegenüberstellung werden manche zu Recht darauf hinweisen, dass der hier ausgewiesene Anstieg der Ausgaben durch die Inflation überzeichnet ist. Dieser Einwand regt an, die Ausgaben der privaten Haushalte für den Bezug von Strom auch inflationsbereinigt auszuweisen. Hierzu wird der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Verbraucherpreisindex auf der Basis des Jahres 2020 herangezogen. Bei diesem Verfahren kommt man zu einer etwas entspannteren Bewertung. In Preisen von 2020 mussten die privaten Haushalte 1990 für ihren Stromverbrauch im Monat 66 €2020 bezahlen, im Jahr 2024 rund 91 €2020. Bezogen auf den Zeitraum von 34 Jahren errechnet sich daraus ein durchschnittlicher Anstieg des realen Strompreises von etwa 1 % pro Jahr.