1990 lag der Anteil der Ausgaben für Strom an den gesamten Konsumausgaben deutscher Haushalte bei 2,13 %. Bis zum Jahr 2000 sank er auf 1,64 %. Dann erfolgte bis 2013 ein Anstieg auf 2,62 %. In der Folge entwickelte sich der Anteil wieder rückläufig. Der Ukraine-Krieg löste dann eine kurzfristige Trendumkehr ein, der Anteil überstieg die 3-Prozent-Marke. 2023/24 kehrte der Trend wieder um. 2024 lag der Anteil bei 2,49 %.

Abb. 3: Anteil der Ausgaben für Strom an den gesamten Konsumausgaben in %. (Bild: BDEW, Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Statistisches Bundesamt)

Gesamtwirtschaftliche Einordnung

Nach diesen Überlegungen bietet es sich an, einen Schritt weiterzugehen und die hier vorgestellten Entwicklungsprozesse in einen gesamtwirtschaftlichen Rahmen einzuordnen. Für die folgende Analyse nutzen wir zusätzlich die Daten des Statistischen Bundesamtes zu den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte [5]. Mit diesen Informationen ist es möglich, die Ausgaben der privaten Haushalte für Strom in Relation zu den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte zu setzen.

Es ergibt sich das folgende Bild (Abb. 3):

  • Anfang der 1990er Jahre lag der Anteil der Ausgaben für Strom an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte bei etwas über 2 %. Danach reduzierte sich der Anteil und erreichte im Jahr 2000 mit 1,6 % seinen insgesamt niedrigsten Wert.
  • Nach dem Jahr 2000 zeigt die Statistik einen kontinuierlich wachsenden Anteilswert. Er erreichte 2013 einen Zwischenwert von 2,6 %. Nach 2013 ging der Anteil wieder etwas zurück und erreichte 2019 einen Wert von 2,2 %.
  • Besonders beachtenswert ist der nach 2019 zu beobachtende deutliche Anstieg des Anteilswertes. Diese Entwicklung muss vor allem im Zusammenhang mit dem „explosionsartigen“ Anstieg der Strompreise im Zuge des Ukraine-Krieges gesehen werden (2022: 3,1 %).
  • Im Jahr 2024 hat sich die Situation wieder etwas entspannt. Der Anteil der Ausgaben der privaten Haushalte für Strom an den gesamten Konsumausgaben lag bei rd. 2,5 %.

Richtet man den Blick auf die letzten 20 Jahre und lässt die durch den Ukraine-Krieg überhöhten Zahlen einmal außer Acht, ergibt sich für den Anteil der Ausgaben für Strom an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte ein Mittelwert von 2,4 %. Dieser Wert kann als Faustgröße für einen anregenden

Gedankengang genutzt werden. Die Zahl 2,4 % bezieht sich auf den Durchschnitt aller Haushalte in Deutschland. Das bedeutet: Es gibt Haushalte, deren Ausgabenanteil für Strom an den gesamten Konsumausgaben geringer ist als 2,4 % (Haushaltstyp A). Typischerweise wird es sich bei diesem Haushaltstyp um Haushalte handeln, die über ein relativ hohes verfügbares Einkommen verfügen. Dementsprechend wird man hier auch ein mehr oder weniger weit über die Grundbedürfnisse hinausgehendes Konsumbudget unterstellen können. Und es gibt Haushalte, bei denen der Anteil größer ist als 2,4 % (Haushaltstyp B). Ganz offensichtlich zwingen die Einkommensverhältnisse dort sehr viel stärker dazu, Prioritäten zu setzen. Und dazu gehört nun einmal der Bezug von Strom.

Daraus ergibt sich folgende Frage: Welchem Haushaltstyp sind angesichts der existenziellen Bedeutung von Strom für das praktische Leben der privaten Haushalte in Deutschland höhere Kosten zuzumuten? Vieles spricht dafür, dass Haushalte vom Typ A keine Subventionierung der Strompreise benötigen. Sie verfügen über genügend finanzielle Mittel, um auch einen höheren Strompreis bezahlen zu können. Haushalten vom Typ A wird es auch leichter fallen, Einkommen umzuschichten bzw. auf bestimmte Konsumausgaben zu verzichten. Anders ist die Situation bei Haushalten vom Typ B. Hier ist davon auszugehen, dass es Haushalte gibt, die zur Deckung von Grundbedürfnissen eine staatliche Unterstützung brauchen.

Aber der entscheidende Gedanke ist hier: Eine solche Unterstützung ist keine Aufgabe der Energiepolitik. Das ist Aufgabe der Sozialpolitik. Und so bleibt es bei einer der Grundwahrheiten jeder funktionsfähigen und auf Effizienz angelegten Wirtschaft. Die Energiepreise müssen vollumfänglich alle Kosten der Energieerzeugung, der Energieverteilung und der Energienutzung widerspiegeln. Kurz: Die Energiepreise müssen die Wahrheit sagen.

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