Betrachtung von Preisanpassungsschreiben hinsichtlich der darin genannten Grüne für die Preisanpassung. Am häufigsten wird die Beschaffung genannt.

Abb. 3: Genannte Gründe für Preisanpassungen. (Quelle: Octopus/RWTH Aachen)

Hinzu kommt ein strukturelles Transparenzproblem. In fast 90 % der untersuchten Preisanpassungsschreiben werden steigende Beschaffungskosten als Hauptgrund für Preisänderungen genannt (siehe Abb. 3). Ein Abgleich mit realen Kostenentwicklungen zeigt jedoch, dass diese Kommunikation nur einen Teil der tatsächlichen Preisstruktur widerspiegelt. Sinkende Kostenbestandteile werden deutlich seltener genannt. Für Verbraucher wird es dadurch schwierig zu erkennen, welche Faktoren ihren Strompreis tatsächlich verändern und ob ein Anbieterwechsel sinnvoll wäre.

Die besondere Rolle der Grundversorgung

Diese Mechanismen werden in der Grundversorgung besonders deutlich. Die Grundversorgung erfüllt eine wichtige Aufgabe: Sie stellt sicher, dass jeder Haushalt jederzeit mit Strom beliefert wird – auch ohne aktiven Vertragsabschluss. Doch genau diese Sicherheitsfunktion führt in der Praxis zu einem strukturellen Problem.

Viele Haushalte gelangen automatisch in diesen Tarif, etwa nach einem Umzug oder nach der Kündigung eines Liefervertrags. Gleichzeitig bleiben sie dort häufig über Jahre. Die Studien zeigen: Gerade in der Grundversorgung entstehen die größten Preisnachteile für Verbraucher. Die Grundversorgung erfüllt damit zwar ihren Versorgungsauftrag – sie ist aber zugleich ein Marktsegment, in dem Wettbewerb nur eingeschränkt wirkt.

Preisbildungsmechanismen werden also sowohl im Wettbewerb als auch in der Grundversorgung zu Lasten der Kunden ausgenutzt. Es kann nicht den Verbrauchern zugemutet werden, sich selbst vor diesen Preisnachteilen zu schützen – zumal vulnerable Gruppen oftmals Informations- und Handlungsdefizite haben. Gerade in der Grundversorgung ist die Informationsbarriere laut FfE und Verbraucherzentrale Bundesverband [3] besonders hoch.

Preisdeckel und Transparenzoffensive für alle

Um konsequent alle Verbrauchenden vor unfairen Preissteigerungen zu schützen, braucht es politische Maßnahmen und eine Marktreform. Naheliegend ist die Festlegung eines Preisdeckels sowie eine konsequente Erhöhung der Transparenz.

Mit der Einführung eines Preisdeckels könnte die Bundesnetzagentur (BNetzA) einen klar definierten Höchstpreis festlegen, der unverhältnismäßig hohe Tarife verhindert. Unterhalb der Grenze haben Anbieter weiterhin tarifliche Freiheit. So werden weniger wechselaktive Kunden und vulnerable Haushalte vor „Wucherpreisen“ geschützt, ohne den Wettbewerb auszuschalten.

Zudem sollte die Bundesnetzagentur Preisunterschiede zwischen Neu- und Bestandskunden systematisch erfassen und regelmäßig veröffentlichen. Eine klarere Darstellung von Kostenbestandteilen, Preisstrukturen und regulatorischen Verantwortlichkeiten würde für mehr Transparenz sorgen. Für Kunden würde so die Nachvollziehbarkeit von Strompreisen deutlich erleichtert und ihnen helfen, informierte Wechselentscheidungen zu treffen.

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