Als häufigste sicherheitsrelevante Anomalien in OT-Netzwerken werden innerhalb des Rhebo Industrial Security Assessments 2021-2025 genannt: 1. verwundbare Software, Firmware oder Betriebssysteme, 2. Nicht benötigte Dienste und Protokolle, 3. Unverschlüsselte Übertragung von Passwörtern, 4. Schwache Authentifizierungsmethoden, 5. Versuchte oder erfolgreiche Verbindung ins Internet, 6. Fehler in der Zeitsynchronisierung, 6. Risiko der Kommunikationsumleitung über maliziöse Router, 7. Neue unbekannte Netzwerkteilnehmer.

Abb. 2: Die am häufigsten in OT-Netzen identifizierten Anomalien der letzten 5 Jahre. (Quelle: Rhebo)

Die detaillierte Untersuchung verdeutlicht die existierenden Angriffsvektoren in OT-Netzen weiter (Abb. 2). Aufgrund veralteter, nicht gesicherter Protokolle werden Passwörter unverschlüsselt übertragen. Durch Werkseinstellungen, Fehlkonfigurationen und fehlende Segmentierung fanden sich in über 60 % aller OT-Netze Systeme, die eine Verbindung zum Internet herstellen konnten oder dieses aktiv (oft automatisiert) versuchten, obwohl dies weder notwendig noch gewollt war. Fehler in der Zeitsynchronisation (46 %) können nicht nur Probleme bei Echtzeitprozessen hervorrufen. Sie erschweren bei einem Cybervorfall auch die forensische Analyse, da die Systeme keine zeitkonsistenten Log-Dateien besitzen. In knapp 44 % aller Fälle wurden während der Schwachstellenbewertungen neue und teilweise unbekannte Netzteilnehmer registriert. In der Regel liefen diese Neuregistrierungen an der Administration vorbei, denn die Systeme sind „historisch“ nach Bedarf gewachsen.

Die Ergebnisse aus Pentests und Schwachstellenbewertungen verdeutlichen, wie vulnerabel OT-Netze noch immer sind. Da vielen Betreibern sowohl eine vollständige Dokumentation ihrer Infrastruktursicherheit als auch eine generelle Sichtbarkeit der Funktionen und Vorgänge in der OT fehlen, haben Angreifende oft leichtes Spiel, sich in der OT auszubreiten und zu verfestigen.

Essenzielle OT-Sicherheitsprinzipien

Verantwortliche für OT-Infrastruktur tun sich dennoch schwer, die Oberhand bei der Absicherung ihrer Systeme zu bekommen. Ressourcenknappheit, fehlende Erfahrung in der OT-Sicherheit und Verantwortungsdiffusion zwischen IT und OT stehen einer als Mammutaufgabe wahrgenommenen Verantwortung gegenüber.

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