Energiewende-Index: Die Indikatoren im Überblick
Die insgesamt 15 Indikatoren im aktuellen Energiewendeindex zeigen gegenüber der letzten Erhebung vom März keine massiven Verschiebungen: Fünf Indikatoren sind nach wie vor unrealistisch in ihrer Zielerreichung, vier befinden sich weiterhin auf der Kippe und sechs Indikatoren verbleiben in der Kategorie „realistisch“.
Zielerreichung für fünf Indikatoren unrealistisch
Der Indikator Sektorkopplung Verkehr verbessert sich wieder leicht von 42 auf 44 % (Abb. 1). Im April 2023 gab es in Deutschland insgesamt knapp 2 Mio. Elektrofahrzeuge, doch es hätten bereits 4,2 Mio. sein müssen, um noch im Plan zu bleiben. Grund ist, dass die Zulassungskurve, die 2020/21 noch steil angestiegen war, seither stark abgeflacht ist. Ab jetzt müsste es pro Halbjahr 1 Mio. Neuzulassungen geben, um das 2030er-Ziel von 15 Millionen E-Autos zu erreichen; bislang wurde jedoch nicht einmal die Marke von 400.000 Neuzulassungen pro Halbjahr überschritten.
Die Kosten für Netzeingriffe sind seit unserer letzten Erhebung von knapp 22 € pro MWh auf über 24 € pro MWh gestiegen und damit weiter denn je von den angestrebten 1 € pro MWh entfernt (Abb. 2). Und die Chancen, aus der 0 %-Zielerreichung aufzusteigen, stehen schlecht: 2022 summierten sich die Netzeingriffskosten auf mehr als 4,2 Mrd. € – eine Verdopplung gegenüber dem ohnehin schon sehr hohen Vorjahresniveau. Hauptgrund dafür ist die Kostenexplosion für Redispatchmaßnahmen infolge der Energiepreissteigerung: Lagen die Kosten im Jahr 2021 noch bei 590 Mio. € (wovon allein 400 Mio. € auf das letzte Quartal fielen), betrugen sie 2022 mit knapp 2,7 Mrd. € nahezu das Fünffache.
Weit hinter den Zielen zurück bleibt auch der Indikator Ausbau Transportnetze. Trotz leichter Verbesserung in der Zielerreichung auf 41 % verläuft der Netzausbau mit zuletzt 453 km immer noch deutlich schleppender als geplant (knapp 550 km pro Halbjahr). Die Gesamtlänge beträgt jetzt 2.458 km und damit weniger als die Hälfte der angestrebten 5.553 km. Fortschritte gibt es immerhin bei den Genehmigungsverfahren: Wurden in den Jahren 2019 bis 2021 pro Halbjahr nur rund 150 km genehmigt, waren es 2022 im gleichen Zeitraum fast 500 km. Dies lässt auf eine Beschleunigung des Ausbaus hoffen. Allerdings werden auch die Zielwerte für die Jahre ab 2025 aufgrund neuer Bauprojekte für Transportnetze stärker ansteigen.
Der Anteil der Gesamtenergiekosten Haushalte am Warenkorb der Verbraucher sank leicht von 12,9 auf 12,7 %. Grund hierfür ist der um 3 % langsamere Anstieg der Energiepreise in den letzten 12 Monaten gegenüber der allgemeinen Inflationsrate (6,4 %). Dabei glichen die stark sinkenden Mineralölpreise (-12,8 %) die weiter steigenden Preise für Haushaltsenergie (+14,0 %) nahezu aus – und auch dort ist die Teuerungsrate seit ihrem Höchststand Ende 2022 von +47% deutlich gesunken. Dennoch entwickeln sich die Energiekosten für Privathaushalte weiterhin unbefriedigend: Die Zielerreichung des Indikators steigt nur geringfügig von 43 % auf 47 % und bleibt damit unrealistisch (Abb. 3).
Für den Indikator Sektorkopplung Wärme wurden neue Daten veröffentlicht. Der EE-Anteil am Endenergieverbrauch im Bereich Wärme und Kälte liegt danach im Jahr 2022 bei 17,4 % und damit 1,5 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Um auf dem Zielpfad von 50 % in 2030 zu bleiben, hätte er allerdings bereits auf 20,2 % steigen müssen. Die aktuelle Zielerreichung verharrt bei 64 %. Mit dem Gebäudeenergiegesetz will die Bundesregierung das Tempo nun merklich erhöhen.

