Abb. 1: Infografik, die die drei Säulen des MVV-Ansatzes für mehr biologische Vielfalt symbolisiert - Schritt 1: Reduktion der Flächenversiegelung und Ausbau von Biodiversitätsflächen. Schritt 2: Kompensation des versiegelten Bestandes durch Renaturierungs- und Aufforstungsprojekte. Schritt 3: Reduktion und Ausstieg aus der Nutzung biodiversitätsschädlicher Biomasse

Abb. 1: MVV-Ansatz: drei Säulen für mehr biologische Vielfalt. (Bild: MVV)

Daraus leitet sich folgender Ansatzpunkt ab: Wenn MVV als Infrastrukturunternehmen den Flächenverbrauch reduziert – etwa durch Entsiegelung und Renaturierung –, leistet das Unternehmen einen direkten, positiven Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt. Die Positionierung von MVV basiert daher auf drei zentralen Säulen, die in Abb. 1 dargestellt sind. Ihr besonderer Vorteil: Über den Hebel „Fläche“ wird Biodiversität für Unternehmen messbar – und damit steuerbar. Ein weiterer Aspekt: Fläche ist eine wertvolle Ressource. Dennoch erzeugt die aktuelle Regulierung kaum Anreize, sie als solche zu behandeln. So konzentriert sich die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) bspw. auf bereits genutzte Flächen. Damit vernachlässigt sie das Potenzial eines systemischen Wandels hin zu mehr Flächeneffizienz. Dabei gilt: Der nachhaltigste Standort ist der, den man durch effizientere Flächennutzung gar nicht erst benötigt.

Allerdings ist nicht jede Flächennutzung per se negativ für die Biodiversität. Wenn ein Energieunternehmen beispielsweise Monokultur-Agrarflächen aus der Nutzung nimmt, sie mit Blühpflanzen ökologisch aufwertet und gleichzeitig geeignete Photovoltaik-Module installiert, entsteht ein positiver Effekt auf die Artenvielfalt. Deshalb ist eine systematische Kategorisierung der Flächen erforderlich – etwa nach Versiegelungsgrad (versiegelt, teilversiegelt, unversiegelt, Biodiversitäts-flächen etc.) – mit dem Ziel, den Anteil versiegelter und teilversiegelter Flächen langfristig zu reduzieren.

Die Herausforderung bei diesem Ansatz liegt auf der Hand: Wer übernimmt in einem international tätigen Unternehmen die Kategorisierung der Flächen und sorgt dafür, dass diese kontinuierlich aktuell gehalten wird? Für ein solches Energieunternehmen mit vielen Standorten umfasst das Flächenportfolio schnell mehr als 10.000 Einzelflächen. Schon diese Zahl verdeutlicht den erheblichen Aufwand, der mit einer systematischen Erfassung und Pflege der Flächenkategorien im Liegenschaftsmanagement verbunden wäre – zumindest, wenn man auf klassische manuelle Prozesse setzt.

Die Lösung liegt in der intelligenten Automatisierung: Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz kann dieser komplexe und datenintensive Prozess effizient, skalierbar und in hoher Qualität umgesetzt werden. So wird aus einer administrativen Herausforderung eine strategische Chance – für mehr Transparenz, Steuerbarkeit und Wirkung im Biodiversitätsmanagement.

Natur und Biodiversität ganzheitlich managen

Als Softwareunternehmen bietet Nala Earth eine innovative Lösung, die Unternehmen verschiedenster Branchen dabei unterstützt, Natur und Biodiversität ganzheitlich zu managen. Mit der Nala-Plattform können Unternehmen ihre Wechselwirkungen mit der Natur – sowohl Abhängigkeiten als auch Einflüsse – besser verstehen, daraus resultierende Natur-Risiken finanziell bewerten und relevante Kennzahlen über die Zeit hinweg systematisch überwachen.

Die Software findet Anwendung in der Berichterstattung gemäß CSRD und Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD), im Management naturbezogener Risiken sowie im aktiven Natur- und Biodiversitätsmanagement. Letzteres steht auch im Zentrum der Partnerschaft zwischen MVV und Nala Earth.

Die Software unterstützt MVV dabei, versiegelte und unversiegelte Flächen über zahlreiche Standorte hinweg effizient zu klassifizieren. Durch den Zugriff auf hochauflösende Satellitendaten ermöglicht die Lösung eine präzise Flächenbewertung – skalierbar, standortübergreifend und mit minimalem Aufwand ermittelbar. Basierend auf standortspezifischen Daten erlaubt die Plattform eine strukturierte Aggregation und Analyse. So können beispielsweise Kennzahlen wie der Anteil versiegelter Flächen über das gesamte MVV-Portfolio hinweg erfasst, ausgewertet und langfristig nachverfolgt werden.

Die Lösung wird kontinuierlich weiterentwickelt – mit zwei zentralen Schwerpunkten: Einerseits sorgen verbesserte KI-Modelle und Satellitendaten für eine noch präzisere Klassifizierung und Kategorisierung. Andererseits wird die Plattform intelligenter und unterstützt aktiv bei strategischen Entscheidungen – etwa bei der Auswahl geeigneter Standorte für Renaturierungs- oder Kompensationsmaßnahmen.

Umsetzungsphase integriert unterschiedliche Datenlogiken

Bevor ein modernes Management der eigenen Grundstücke in eine neue Lösung überführt werden kann, stellt sich eine grundlegende Frage: Wie lassen sich bestehende Grundstücksdaten aus unterschiedlichen Systemen effizient in ein neues System überführen? Gerade bei Grundstücken ist das eine besondere Herausforderung, da unterschiedliche Datenlogiken existieren.

In Deutschland erfolgt die Klassifizierung in der Regel über Adressen oder – noch detaillierter – über Gemarkungen, Fluren und Flurstücksnummern. Systeme, die auf Geokoordinaten basieren, stoßen hier häufig an ihre Grenzen. Auch Nala Earth arbeitet mit einer geokoordinatenbasierten Logik.

Zu Beginn der Zusammenarbeit wurde daher ein „Übersetzer“ gesucht, der die Flurstückslogik in Geokoordinaten überführen kann. Die Lösung: ein Geoinformationssystem (GIS), das als Werkzeug in der öffentlichen Versorgung bereits weit verbreitet ist. Während GIS-Systeme bei Versorgungsunternehmen primär zur Kartierung von Leitungsnetzen genutzt werden, lassen sich darüber auch Liegenschaften verwalten. Da GIS-Systeme sowohl Flurstücksinformationen als auch Geokoordinaten für Flächenpolygone bereitstellen können, fiel die Wahl auf diese Technologie. So konnten die MVV-Grundstücke aus der klassischen Flurstückslogik in georeferenzierte Polygone überführt werden – eine Voraussetzung für die reibungslose und skalierbare Integration großer Datenmengen in die Nala-Plattform. Mit der erfolgreichen Integration der Grundstücksdaten begann die KI-gestützte Klassifizierung der Flächen.

2 / 3

Ähnliche Beiträge