Die grüne Fernwärme stand im Mittelpunkt des Fernwärmetages in Dortmund.

Über 100 Teilnehmer folgten den Ausführungen der Referenten, wie sich mit grüner Fernwärme die Transformation meistern lässt (Quelle: Wilo/Timm Westen)

Über die Dortmunder Wärmewende berichtete Peter Flosbach, technischer Geschäftsführer der DEW21. Das fossil befeuerte Kraftwerk Dortmund wurde im Juni 2022 abgeschaltet, ein veraltetes, ineffizientes Dampfnetz durch ein modernes Heißwassernetz ersetzt.  In drei neuen Energiezentralen wird nun Fernwärme erzeugt mit rd. 75 % Abwärmenutzung. Lieferte die DEW21 im Jahr 2023 insgesamt 290 GWh Wärme, könnten es in einer ersten Ausbaustufe 850 bis 1700 GWh sein, wobei das 80 km lange Netz auf 350 km Netzlänge ausgebaut werden müsste. Zwei Drittel der Gesamtwärmenachfrage in Dortmund könnten durch Fernwärme bedient werden. Dazu müsste der Erzeugungspark mit Abwärmenutzung, Biomasse und Großwärmepumpen erweitert werden. Auch die Nutzung von Wasserstoff steht auf der Agenda.

Erzeugung von grüner Fernwärme

Über die Möglichkeiten regional erzeugten Wasserstoffs, Energie zu speichern und später daraus Wärme und Strom zu erzeugen, sprachen Gero Böhmer und Richard Schmidt von Wilo im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Matthias Hartmann, der als Betreiber eines Rechenzentrums die Nutzung der Abwärme ermöglichen will, allerdings keinen Abnehmer findet, erklärte, woran gute Ideen und Beschlüsse in der Praxis scheitern können. Prof. Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer IEG, erläuterte das Potenzial der Geothermie. Ein Drittel des deutschen Wärmeverbrauchs könnte durch Tiefengeothermie gedeckt werden. Er verwies zudem auf Wärmespeicherlösungen im urbanen Raum wie die Möglichkeit, Abwärme im Untergrund speichern, etwa durch das Erwärmen und die Förderung von Grubenwasser ehemaliger Bergwerke.

Die Erzeugung, Verteilung und Optimierung von grüner Fernwärme stand im Fokus des Nachmittagsprogramms. Prof. Clemens Felsmann von der TU Dresden legte dar, wie sich die Optimierung von Gebäuden auf die Fernwärme auswirkt, etwa wenn durch energetische Sanierungen weniger Wärmebedarf herrscht. Bei der Beobachtung und Analyse von Übergabepunkten, Netzknoten und Hausanschlussstationen (HAST) ist eine Digitalisierungsstrategie hilfreich, um Auffälligkeiten zu identifizieren und Optimierungspotenziale abzuleiten. Hagen Jarausch von der SWE Energie GmbH berichtete von der Errichtung eine iHAST-Systems in Erfurt und die Interpretation der Daten, um Lecks oder Fehlfunktionen aufzuspüren.

Während Matthias Schmude von Wilo das Hydraulik-4.0-Konzept vorstellte, mit dem sich durch dezentrale Pumpen sehr viel elektrische Energie einsparen lässt, berichtete Andreas Kaiser von der Goodmen Energie GmbH u.a. von schwimmenden Energiezentralen und Finanzierungsmöglichkeiten. Zum Abschluss gab Sebastian Grimm, AGFW, einen Überblick über die Digitalisierung in der Fernwärme, die sich auf die gesamte Prozesskette von der Erzeugung, über die Verteilung bis hin zu den HAST und Wärmezählern erstreckt. 

EHP-Redaktion
2 / 2

Ähnliche Beiträge