Wo stehen wir jetzt?
Abb. 1 zeigt, dass seit 1990 über mehr als drei Jahrzehnte die Emissionen der Industrieländer moderat, d. h. um 17 % gesunken, die der Entwicklungs- und Schwellenländer aber auf das 3,2fache gestiegen sind. In absoluten Zahlen sind die jährlichen Emissionen der Industrieländer um 2,5 Mrd. t gesunken, die der Entwicklungsländer um 15,2 Mrd. t, also um das Sechsfache, gestiegen. Damit ist tendenziell eingetreten, wovor u. a. Klaus Töpfer 1992 gewarnt hat, nämlich dass eine weltweite Nachahmung des Entwicklungspfades der Industrieländer einen Kollaps des Planeten bedeutete. Deshalb wäre es so dringend gewesen, und ist es immer noch, den Entwicklungsländern einen Anreiz zu bieten, einen moderneren Pfad zu beschreiten. Stattdessen war China allein mit 18 % der Weltbevölkerung im Jahr 2021 für 54 % der weltweiten Kohleverbrennung und 30 % der CO2-Emissionen zuständig. An zweiter Stelle als Kohlekonsument liegt Indien (13 %) [13]. Beide Länder haben mit ihren Anteilen an den Emissionen kräftig zugelegt (Abb. 2). China hat inzwischen bei den Pro-Kopf-Emissionen die EU überholt, liegt aber noch weit hinter den USA. Indien liegt dagegen bei den Pro-Kopf-Emissionen noch weit zurück (Abb. 3), befindet sich aber auf einem wirtschaftlichen Entwicklungspfad, der dem Chinas in den 1990er- und 2000er-Jahren nicht unähnlich ist. Dazu kommt, dass anders als in China die Bevölkerung wächst. Indien überholt in wenigen Jahren die EU-27 mit seinen absoluten Emissionen, die wesentlich schneller wachsen, als die in der EU sinken können. Insofern wäre wichtig, dazu beizutragen, dass die Emissionen Indiens langsamer wachsen, als das Land in seinen Selbstverpflichtungen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens angekündigt hat. Dies wäre laut Internationalem Währungsfonds mit relativ geringen finanziellen Mitteln zu ermöglichen [14].
Die Nationalisierung der Lösungsstrategie, die mit dem Kyoto-Protokoll eingesetzt hat und im Pariser Klimaabkommen verfestigt wurde, statt globale Prinzipien und daraus abgeleitete Regeln festzulegen, führt auch zu einem Gewirr von Gesetzen, die gegen andere Länder gerichtet sind und einen entsprechenden Widerstand auslösen. Insbesondere sind darunter die Bemühungen der EU zu verstehen, die Importe aus Ländern mit weniger starken Klimaauflagen zu entliberalisieren. So verständlich es ist, Güter, die deshalb billiger als in Europa produziert wurden, weil sie keine vergleichbaren emissionsmindernden Standards erfüllen müssen, an der EU-Grenze mit einem Preisausgleich (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) zu versehen, so bietet die Bemessung dieses Preisaufschlags viel Anlass zur Gegenwehr und ist für die Lösung des globalen Problems nicht dienlich.

