
Abb. 1: Vier zentrale Entwicklungen prägen die Energiekommunikation 2025/26. (Quelle: Althaller Communication)
Wie Energieunternehmen Social Media 2025/26 nutzen
Die Energiebranche gehört zu den aktivsten Sektoren der Studie, deren zentrale Ergebnisse in Abb. 1 visualisiert sind. Besonders auffällig ist der hohe Paid-Anteil: Mit durchschnittlich 54,1 % führt die Branche das Ranking mit großem Vorsprung an. Energieunternehmen investieren gezielt in bezahlte Reichweite. Reichweite wird so planbar und weniger abhängig von volatilen Algorithmen.
Die besondere Herausforderung der Energiebranche liegt in der Vermittlung hochkomplexer technischer Inhalte an ein heterogenes Publikum. Die Studie zeigt deutlich, dass sich Verständlichkeit und Präzision nicht ausschließen müssen – im Gegenteil: Formate, die komplexe Sachverhalte klar und intuitiv erklären, erzielen überdurchschnittlich hohe Interaktionen. Erklärvideos, animierte Grafiken und visuelle Kurzformate gehören zu den erfolgreichsten Content-Arten der Branche.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die steigende Bedeutung von Corporate Influencern. Fachkräfte und Führungspersonen, die authentisch über Projekte, Technologien oder Forschung sprechen, erzeugen Glaubwürdigkeit und schaffen Vertrauen. Dies ist im Energiesektor besonders wertvoll, da Technologie- und Infrastrukturprojekte häufig öffentliche Aufmerksamkeit erhalten und starke Meinungsbilder hervorrufen.
Auch Thought Leadership gewinnt an Relevanz. Energieunternehmen erzielen besonders hohe Reichweiten, wenn sie Einordnungen zu Branchentrends, technologischen Entwicklungen oder regulatorischen Veränderungen veröffentlichen. Reine Produktkommunikation wirkt hingegen zunehmend austauschbar. Entscheider im Energiemarkt suchen Orientierung, nicht Werbung.
Ressourcen, Organisation und der wachsende Einfluss von KI
Obwohl die Energiebranche kommunikativ stark aktiv ist, arbeiten viele Unternehmen mit vergleichsweise kleinen Teams. Der durchschnittliche Zeitaufwand für Social Media liegt bei 75–80 Stunden pro Woche – deutlich weniger als in klassischen Treiberbranchen wie IT oder Medien, aber erheblich mehr als in traditionell zurückhaltenden Industrien. Die hohe Komplexität der Themen trifft damit auf eine knappe Ressourcensituation.
Genau hier zeigt sich die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz (KI). Energieunternehmen nutzen KI nicht nur für Textgestaltung, sondern zunehmend für Planung, visuelle Unterstützung und Datenanalyse. In der aktuellen Studie geben Unternehmen an, KI zu nutzen für:
- 82 % Textentwicklung
- 66 % Bild- und Videoinhalte
- 59 % Planungs- und Postingprozesse
- 54 % datenbasierte Optimierung
KI wird damit zum festen Bestandteil der Kommunikationsarbeit – nicht zur Automatisierung von Kommunikation, sondern zur Entlastung und Professionalisierung. So bleibt mehr Zeit für strategische Themen, kreative Vereinfachung komplexer Inhalte und den Dialog mit kritischen Zielgruppen.
Warum Energiekommunikation besonders anspruchsvoll bleibt
Trotz hoher Professionalität steht die Energiebranche vor spezifischen Herausforderungen. Der hohe regulatorische Rahmen verlangt präzise, rechtssichere Kommunikation. Fachinhalte müssen verständlich bleiben, ohne an Tiefe einzubüßen. Gleichzeitig steigt die Erwartung an Transparenz, insbesondere bei Infrastrukturprojekten oder in gesellschaftspolitischen Debatten.
Auch das Reputationsthema ist für Energieunternehmen zentral. Social Media entwickelt sich zunehmend zum Ort, an dem Vertrauen aufgebaut – oder beschädigt – wird. Die Interaktion mit Stakeholdern, die Reaktion auf kritische Stimmen und die Qualität der fachlichen Einordnung sind entscheidend für die Wahrnehmung der Branche. Hinzu kommt der stark umkämpfte Fachkräftemarkt: Unternehmen müssen ihre Arbeitgebermarke sichtbarer und moderner positionieren, um Talente anzuziehen.