Innovation und Expansion in der Offshore-Wind-Branche

Abb. 3 Offshore-Wind-Wertschöpfung

Abb. 3 Offshore-Wind-Wertschöpfung

Abb. 4 Produktionskapazität und -nachfrage für Windturbinen >12 MW in GW

Abb. 4 Produktionskapazität und -nachfrage für Windturbinen >12 MW in GW

Trotz aller Herausforderungen bleibt die Offshore-Windenergie fester Bestandteil der Dekarbonisierungsstrategien vieler Länder. Die Planungen sind weltweit bereits sehr weit fortgeschritten, große Projektvolumina über Ausschreibungen an die Entwickler verteilt und Netzanbindungen geplant. Auch der wirtschaftliche Zusatznutzen von Offshore-Windenergie, über seinen energetischen Nutzen hinaus, wird immer weiter erkannt – etwa in Form von neuen Arbeitsplätzen oder der länderübergreifenden Kopplung der Stromnetze. 

Die Branche ist zudem von Innovationen und stetiger Weiterentwicklung geprägt. So werden zunehmend Floating-Projekte mit schwimmenden Windturbinen in Tiefwasserregionen geplant und gebaut. Auch die Vernetzung der Offshore-Windenergie mit anderen Sektoren schreitet voran. Die Planungen für den Weitertransport der auf hoher See gewonnenen Energie gehen immer neue Wege. Hybridprojekte können Märkte optimiert miteinander verbinden und zu höherer Effizienz und Kosteneinsparungen beitragen. Neben der traditionellen Kabelverbindung werden Wasserstoffpipelines und sogar völlig autonom arbeitende Windparks entwickelt, bei denen der offshore erzeugte Wasserstoff unter Einsatz von Tankschiffen abtransportiert werden kann. Insbesondere in küstenfernen Gebieten, wie dem sog. Entenschnabel oder der Doggerbank, der größten Sandbank in der Nordsee, bieten sich attraktive Bedingungen, um erneuerbaren Wasserstoff mit Offshore-Wind zu produzieren. Da die Gebiete weit von der Küste entfernt sind, ist eine Anbindung an das Stromnetz teuer, die Windverhältnisse jedoch gut. 

Die nächsten Jahre werden entscheidend sein und zeigen, ob die fehlenden Investitionsentscheidungen getroffen und die entsprechenden Weichenstellungen erfolgen werden, um das Potenzial der Offshore-Windenergie vollumfänglich zu entfalten. Drei Punkte sind in diesem Kontext zentral, um sicherzustellen, dass die Offshore-Windenergie langfristig ein fester Bestandteil der Branche bleibt und ihren Beitrag zur Energiewende in Deutschland, Europa und weltweit zuverlässig leisten kann: 

  • Ein verlässlicher und langfristig festgelegter Ausbaupfad, der Entwicklern und der Zulieferindustrie Investitionssicherheit bietet. 
  • Ein Ausschreibungsregime, das nicht allein auf maximale Auktionserlöse ausgerichtet ist, sondern ein auskömmliches Wirtschaften bis in die Zulieferindustrie ermöglicht und qualitative Kriterien beinhaltet, die der Branche tatsächlichen Nutzen stiften. 
  • Eine industriepolitische Strategie, die Energiesouveränität inklusive europäischer Wertschöpfung und Werte wie Nachhaltigkeit anerkennt und fördert. 

Mit diesen Rahmenbedingungen kann die Offshore-Windenergie auch bei bewegter See lange und sicher ihren Kurs zur Dekarbonisierung der Energiewirtschaft und Gesellschaft halten. 

Quellen

[1] Vgl. Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA): Renewable Power Generation Costs 2022, August 2023, S. 125, abrufbar unter www.irena.org/Publications/2023/Aug/Renewable-Power-Generation-Costs-in-2022 (zuletzt abgerufen am 27.10.2024), Umrechnung zu Kurs von 1 EUR = 1,05 USD (Durchschnittswert 2022).
[2] Vgl. Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen: Genehmigung des Szenariorahmens 2023- 2037/2045, Juli 2022, abrufbar unter www.netzentwicklungsplan.de/sites/default/files/2023-01/Szenariorahmen_2037_Genehmigung.pdf  (zuletzt abgerufen am 22.10.2024).
[3] Vgl. Memija, A.: Japan expands offshore wind development into Exclusive Economic Zone, 13.03.2024, abrufbar unter www. offshorewind.biz/2024/03/13/japan-expands-offshore-wind-development-into-exclusive-economic-zone/ (zuletzt abgerufen am 22.10.2024).
[4] Vgl. U.S. Department of Energy: Advancing Offshore Wind Energy in the United States: Highlights, März 2023, abrufbar unter www.energy.gov/sites/default/files/2023-03/advancing-offshore-wind-energy-highlights.pdf (zuletzt abgerufen am 22.10.2024).
[5] Vgl. Vriens, M.: Offshore wind: Glimmers of hope (and not from where you’d expect), 17.11.2023, abrufbar unter green-giraffe.com/publication/blog-post/offshore-wind-glimmers-of-hope-andnot-from-where-youd-expect/ (zuletzt abgerufen am 22.10.2024).
[6] Vgl. WindEurope/Rystad Energy: The State of the European Wind Energy Supply Chain, 25.04.2023, abrufbar unter windeurope.org/intelligence-platform/product/the-state-of-the-europeanwind-energy-supply-chain/ (zuletzt abgerufen am 22.10.2024).
[7] Vgl. Ferris, N.: Data insight: the cost of a wind turbine has increased by 38 % in two years, 25.04.2023, abrufbar unter www. energymonitor.ai/tech/renewables/data-insight-the-cost-of-a-windturbine-has-increased-by-38-in-two-years/ (zuletzt abgerufen am 22.10.2024).
[8] Vgl. WindEurope/Rystad Energy: The State of the European Wind Energy Supply Chain, 25.04.2023, abrufbar unter windeurope.org/intelligence-platform/product/the-state-of-the-european-wind-energy-supply-chain/ (zuletzt abgerufen am 22.10.2024).
[9] Vgl. Tagesschau: Kritik an geplantem Offhore-Windpark mit Turbinen aus China, 04.10.2024, abrufbar unter www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/borkum-windraeder-china-100.html (zuletzt abgerufen am 12.11.2024).

I. Damminger, Senior Managerin, Weltenergierat – Deutschland e.V., Berlin; L. Schech, Projektleiterin Portfolioentwicklung Offshore Wind, EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Berlin; Dr. C. Rolle, Geschäftsführer, Weltenergierat – Deutschland e.V., Berlin

l.schech@enbw.com
rolle@weltenergierat.de
damminger@weltenergierat.de

Der Beitrag stellt eine Kurzfassung des Schwerpunktkapitels der „Energie für Deutschland 2024“ des Weltenergierat – Deutschland dar (abrufbar unter www.weltenergierat.de/energie-fuer-deutschland-2024/). Autorinnen und Autoren des Schwerpunktkapitels „Offshore-Windenergie: Eine globale Ausbau-Rallye“ waren: Schech, L., EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Berlin; Bernert, T., GASCADE Gastransport GmbH, Kassel; Bohne, M., Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE, Berlin; Lange, M., Siemens Gamesa Renewable Energy, S.A.U., Hamburg; Philp, J., Summit Renewable Power GmbH, Düsseldorf.

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